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12.08.2011

Praxisbeispiele, Wie man es macht

Fund der Woche 32-2011

Heute mal etwas ganz Anderes! Das kennt wahrscheinlich jeder von uns: Man greift im Supermarkt an der gewohnten Stelle ins Regal oder die Tiefkühltruhe – und hat etwas ganz Anderes in der Hand als man eigentlich wollte. Wenn man Glück hat, mag man’s trotzdem bzw. bemerkt es rechtzeitig. Also sieht man nochmal genauer hin, aber das gewünschte Produkt – vielleicht sogar ein Lieblingsprodukt – ist nicht auffindbar. Vergriffen ist’s wohl nicht, alle Plätze sind ja gefüllt. Nein, sang- und klanglos ist es einfach so auf dem Produktfriedhof begraben worden. Der Tiefkühlkost-Hersteller Frosta hat einen solchen auf seiner Website und informiert seine Kunden so immerhin. Aufmerksam geworden auf diese Einrichtung bin ich über den Shopblogger.

Zugegeben: eine Kategorisierung als “Fund der Woche” ist eigentlich nicht wirklich angebracht für diesen Fund, schließlich stammt der Shopblogger-Artikel vom 21. Juni und Frostas Produktfriedhof ist demzufolge noch älter. Aber ich habe es nun mal in dieser Woche entdeckt. Es gäbe zwar auch noch einiges an aktuellem User Generated Content, doch der Produktfriedhof ist es mir wert. Mir ging es nämlich auch schon einige Male so, dass ich gern gekaufte Produkte irgendwann vermisste – und vermisst blieben sie. Außerdem kann ich mit diesem Fund der Woche zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Neben dem Produktfriedhof kann ich auch den Shopblogger vorstellen, eine für einen Supermarkt sehr ungewöhnliche Art der Kommunikation.

Doch zuerst zum Produktfriedhof. Über den Menupunkt “Produkte” auf der Unternehmenswebsitegelangt man auf die Sammlung begabener Produkte. Dort angekommen wird der Besucher empfangen von einer schwarzen Katze und einer handvoll Grabmalen, in Form einer Comicgrafik. Ein kurzer Text erklärt, warum gelegentlich Produkte verschwinden, und Frosta weist auf seine Informationspolitik durch das Corporate Blog hin. Es folgt eine Vielzahl von Grabsteinen (die vielleicht etwas liebevoller hätten gestaltet sein können, sehr charmant dagegen die “Gravur” “Die Tiefkühltruhe vermisst Dich sehr”) mit Abbildungen der Verpackungen samt Sterbejahr des Produkts.

Was dem Reputation Controller auf diesem Friedhof sofort ins Auge springt, ist der Link zur Produktbewertung. Die wird auch einigermaßen rege genutzt, die Top5 sind jeweilos über 100x bewertet worden. Ebenfalls fiel mir, erst später da weiter unten, der Link zur Unternehmensseite bei Facebook auf. Ein Blick zeigt: da passiert was! Über 2300 Fans, viel Aktivität von Usern wie auch von Frosta – Kommunikation auf Augenhöhe. Es sieht so aus, als fühle sich das Unternehmen wohl im Web2.0.

Und auch einer derer, die ihre Tiefkühltruhen mit den Produkten füllen um sie zu verkaufen, fühlt sich offenbar sehr wohl im Social Web. Der Shopblogger ist das Blog von Björn Harste, Betreiber eines Spar-Marktes in Bremen. Dort bin ich auf den vorgestellten Produktfriedhof aufmerksam geworden. Björn Harste lobt diese Einrichtung ganz ausdrücklich als bislang unbekannte Orientierungshilfe für Verbraucher: “Ich habe noch keine Firmenwebsite gesehen, auf der ausdrücklich kommuniziert wird, welche Produkte nicht mehr hergestellt werden. Dabei würde das vielen Verbrauchern helfen, sich besser zu orientieren. … Ich finde es ziemlich genial.” Anscheinend, so Kommentare im Blog, ist das aber keine Innovation von Frosta, da auch der Eiscremeproduzent Ben & Jerry’s soetwas vorweisen kann. Aber darauf kommt es nicht an. Die Idee stößt auch in den Kommentaren auf Gegenliebe, darauf kommt es an.

Und auch auf noch etwas Anderes kommt es an: ein Supermarktbetreiber als Privatmensch bloggt, hmm… hat denn der überhaupt Leser? Und Interessantes zu erzählen? Er hat. Allerlei aus dem manchmal lustigen, manchmal ärgerlichen und gelegentlich skurril-erstaunlichen Leben im Supermarkt. Das zeigen auch die Kommentare, und das zeigt ebenso das Shopblogger-Profil auf Facebook mit aktuell gut 800 Fans. Für einen einzigen Supermarkt, ich betone: S u p e r m a r k t (bei Läden des speziellen Bedarfs hat man das ja häufiger mal…) und seinen Inhaber, wohlgemerkt. Hier lassen sich die Aktivitäten des Blogs gut verfolgen, da jeder Artikel auch auf Facebook gepostet wird. Ein wenig schade ist allerdings, dass dort kaum Kommunikation stattfindet.

Der Austausch ist stärker im Blog beheimatet, manche Artikel finden dort starke Resonanz mit Kommentarzahlen im deutlich zweistelligen Bereich. Eines allerdings fällt auf: Björn Harste stellt letztendlich lediglich Blog und Profil als als Plattform für die Leser zur Verfügung, macht jeweils den Anfang und hält sich dann heraus. Das ist schade, denn ein weiter gehender Austausch wäre ein Zugewinn für dieses ungewöhnliche und lobenswerte Angebot.

Kommentar

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Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
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