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09.09.2011

Markenwahrnehmung, SEO

Fund der Woche 36-2011

Musikfreunde kennen sie sicherlich, die kleinen Aufkleber auf CDs, die als Kaufanreiz – ähem… als Warnung vor einer Wortwahl, die nicht jedem schmecken dürfte – fungieren und in den passenden Farben schwarz/weiß dem Hörer ein lautes “Explicit Lyrics” verkünden. An diese Sticker musste ich denken, als ich beim täglichen Monitoring auf die Seite kik24.de stieß. Dort wird die NDR-Reportage “Die KIK-Story” verlinkt, was mehr als eine handvoll Kommentare provozierte. Und zwar teilweise sehr drastische, welche die Grenze des Erlaubten überschreiten und als Anstiftung zu einer Straftat gesehen werden können. Es wird sich aber noch zeigen: nicht alles ist das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Screenshot der NDR-Reportage plus heftigem Kommentar

Eigentlich sollte es auf der Seite wohl um das obenan gepostete Stück “K.I.K. III” der Band WIZO gehen. Das geht jedoch komplett unter in der direkt darunter verlinkten Reportage über die Geschäftspraktiken des Textildiscouters. Dieser Film ist dem geneigten Reputation Controller natürlich wohlbekannt – seit rund einem Jahr schon zieht er weite Kreise im Internet. Die Reportage ist Grundlage für eine inzwischen schon nicht mehr überschaubare Menge an Diskussionen im Netz. Die Reaktionen sind zum Teil extrem und zeigen, in welchem Maße investigativer Journalismus Viralität entwickeln kann – und das selbst über lange Zeiträume. Kein Wunder, dass KIK mit juristischen Mitteln gegen die Ausstrahlung vorgehen wollte. (Und damit gescheitert ist.)

Zwar wird in den Foren häufig darauf hingewiesen, dass es auch andere Unternehmen mit ethischen Maßstäben nicht so genau nähmen. Für KIK jedoch bewirkte die Veröffentlichung einen Shitstorm beachtlichen Ausmaßes. In diesem Fall richteten sich nach der Veröffentlichung am 4. September am selben und dem folgenden Tag 19 Kommentare gegen das Unternehmen und sein Testimonial Verona Pooth. Oder gegen die Praktiken der Textilbranche als solche. Bezogen auf KIK klingt das dann mitunter äußerst derb (“erschießen”, “abbrennen”, “Sklavenhändler”).

Kostproben sind nachzulesen auf Youtube, wo sich die Diskussion eigentlich abspielte. Die Inhalte sind nämlich von dort zu kik.24.de hinaggregiert worden. Genauso wie auch der restliche Content auf der Seite: weitere Youtube-Videos, die “KIK” im Namen oder als Tag tragen, Ebay-Auktionen und anderem. Oben in der Navigationsleiste schreit einem ein Menupunkt förmlich entgegen: “Kauf mich!” Clickt man auf “kik24.de kaufen” landet man dann auf der Seite DomainProfi, einem Domainhändler. Spätestens hier offenbart sich ein Geschäftsmodell: Domains sichern, Content aggregieren, um Suchmaschinen eine gewisse Relevanz vorzugaukeln – und damit den Wert zu heben.

Ein Blick ins Impressum (sowohl von kik24.de als auch von DomainProfi) zeigt alten Bekannten. Über jenen Herrn in Osnabrück bin ich nämlich schon häufiger gestolpert, wenn wir verwechslungsfähige Domains gefunden haben. Insofern muss der Rat des Reputation Controllers lauten: Unternehmen, sichert euch rechtzeitig alle für die Marke relevanten Domains! Sonst macht es wahrscheinlich jemand anderes und versucht, damit Geschäfte zu machen. Und das wiederum verursacht unnötige Kosten, wenn man die Domain zurückkaufen will.

Kommentar

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Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
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