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10.10.2011

Markenwahrnehmung, Wie man es nicht macht

Von Kompetenz und Sorgfalt. Oder: wi cih meine reputation verspiel

„Vorsicht beim Schreiben im Internet!“ So mahnte kürzlich eine Pressemeldung der Duden-Redaktion. Denn jeder habe einen Ruf zu verlieren. Dass auf besagten Ruf viele Faktoren einwirken, ist bekannt. Dazu gehören z. B. Inhalt, Wortwahl, Orte, an denen kommuniziert wird, und auch das veröffentlichte Format. Ein Paradebeispiel sind die vielzitierten Partyfotos, an denen sich potenzielle Arbeitgeber stoßen könnten – und die auf diese Weise die Reputation des Bewerbers belasten. Die Pressemeldung aus dem Hause Duden legt dagegen Wert auf einen Faktor, der nur selten genannt wird: die Rechtschreibung.


Auch die Rechtschreibung ist ein Einflussfaktor auf die Reputation

Der Einfluss der Orthografie auf die Reputation im Internet ist bisher vermutlich der am stärksten vernachlässigte Faktor. Die Hauptursache dafür liegt im Medium selbst. Das Web 2.0 wird als eine Art Marktplatz für private Äußerungen verstanden. Entsprechend stammt auch die verwendete Sprache häufig aus dem umgangssprachlichen Bereich. Das betrifft sowohl die Wortwahl als auch die Schreibweise.

Dabei zeigen sich verschiedene Tendenzen. Zum einen ist es die Vermeidung einer korrekten Groß- und Kleinschreibung. Zum anderen eine Annäherung der Schreibweise an die gesprochene Sprache. „Supa“, „nix“ oder inflationäre Buchstabenwiederholungen wie in „Hilfeeeeeeeeee“ sind kaum noch zählbar. Sie kommen vor allem dort vor, wo sich die Schreiber unbeobachtet bzw. anonym wähnen: in Foren und auf Bewertungsportalen, auf denen man seine Identität hinter einem Pseudonym verbirgt. Und natürlich auf Facebook, das in hohem Maße der Privatsphäre zugeordnet wird.

Ist privat „wirklich“ privat?

Nun mag man die „unorthodoxen Schreibweisen“ damit entschuldigen, dass ihr jeweiliger Verfasser sich in geschlossener Gesellschaft äußert. Und dass die Privatsphäre-Einstellungen in den sozialen Netzwerken Fremden die Sichtung solcher Beiträge verweigern. Das stimmt jedoch nur begrenzt. Denn wenn man nicht geschützte Statusmeldungen kommentiert (z. B. bei unvorsichtigen „Freunden“, auf Unternehmensseiten oder Fanpages), sind diese Äußerungen öffentlich. Sie können von jedem Internetnutzer gefunden werden. Von neuen Bekannten. Oder von potenziellen Arbeitgebern, bei denen man sich gerade beworben hat. Eins ist nämlich sicher: Wer eine neue Anstellung sucht, dessen Online-Reputation wird untersucht.

Wirkung auf den Leser

Doch auch losgelöst von einer möglichen Jobsuche sind korrekte Orthografie, Grammatik und Interpunktion generell von Vorteil. Für Journalisten beispielsweise. Vor einigen Jahren erzählte mir ein Freund: „Zeitungen mit mehr als drei Rechtschreibfehlern lese ich nicht.“ Bezogen auf die gesamte Ausgabe, wohlgemerkt. Da fehle die Seriosität, festgemacht an der Sorgfalt. Das gleiche gilt für Blogger: Wer ernstgenommen werden will, sollte auch formal etwas dafür tun, dass er ernstgenommen wird. Denn fehlerfreie Texte haben nichts mit „Spießigkeit bedienen“ zu tun, sondern sind ein Zeichen von Kompetenz, Sorgfalt, Professionalität und guter Bildung. Anders ausgedrückt: Sie wirken sich positiv auf die Reputation des Verfassers aus.

Kompetenz und Sorgfalt

Geradezu peinlich kann es für Unternehmen werden, wenn z. B. Produkt-Websites mit Kraut-und-Rüben-Rechtschreibung online gestellt werden. Die famose „Mirkowelle“ habe ich ja bereits vorgestellt. Auch das Blog „Das365TageExperiment“ bestätigt: „Die Auswirkungen von Rechtschreib- und Grammatikfehlern in Ihren Veröffentlichungen sollten Sie nicht unterschätzen! Unwillkürlich wird dieser Umstand auch auf das Produkt oder Ihren Service übertragen.“

Nichtsdestotrotz ist das noch halbwegs harmlos im Vergleich zu Karriereseiten, an denen jegliches Lektorat vorbeigegangen ist. Denn es wirkt schlichtweg unglaubwürdig, wenn Arbeitgeber die Bedeutung korrekter Rechtschreibung betonen, aber selbst an genau dieser Stelle patzen. Das gilt auch für Jobinteressenten: Wer auf Karriereseiten durch orthografische Fehler auf sich aufmerksam macht, steht nicht unbedingt in einem vorteilhaften Licht.

Rechtschreibprüfung in drei Schritten (oder so)

Erstens: Handeln Sie nach dem S.O.S.-Prinzip „sammeln – ordnen – sprechen“. So vermeiden Sie unbedachte Äußerungen, die Sie später bereuen.

Zweitens: Nachdem Sie Ihren Text eingetippt haben, einfach noch mal schauen, was Sie tatsächlich geschrieben haben. So können Sie noch schnell klassische Buchstabendreher wie das allgegenwärtige „nciht“ geraderücken. Unternehmen sei geraten: Lassen Sie das Lektorat einen Blick auf den Text werfen. Schließlich ist er für die Öffentlichkeit bestimmt und soll von Kompetenz zeugen.

Drittens: Bitte nicht auf die Rechtschreibprüfung von Word vertrauen!

Kommentar

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Kommentare

11.10.2011

personalmarketing2null

Schöner Artikel, der mir aus der Seele spricht. Leider ist es aber so, dass nicht nur Bewerber zur fehlerhaften kleinshcreibnug tendieren, auch auf den Seiten der Unternehmen selbst – ob nun Karriere-Website oder Facebook-Page – lässt in vielen Fällen zu wünschen übrig. Besonders schlimm ist es dann, wenn das Unternehmen selbst seinen Namen nicht selber schreiben kann und dies über mehrere Wochen nicht einmal bemerkt. Siehe “Karstast” und hier: http://personalmarketing2null.wordpress.com/2011/08/30/gewinnspiele-social-media-und-ausbildungsmarketing-an-der-grenze-des-guten-geschmacks/

11.10.2011

personalmarketing2null

Schöner Artikel, der mir aus der Seele spricht. Leider ist es aber so, dass nicht nur Bewerber zur fehlerhaften kleinshcreibnug tendieren, auch auf den Seiten der Unternehmen selbst – ob nun Karriere-Website oder Facebook-Page – lässt die Rechtschreibung in vielen Fällen zu wünschen übrig. Besonders schlimm ist es dann, wenn das Unternehmen selbst seinen Namen nicht selber schreiben kann und dies über mehrere Wochen nicht einmal bemerkt. Siehe “Karstast” und hier: http://personalmarketing2null.wordpress.com/2011/08/30/gewinnspiele-social-media-und-ausbildungsmarketing-an-der-grenze-des-guten-geschmacks/

13.10.2011

Mirko Strauchmann

Vielen Dank für dieses grandiose Beispiel, wie man als Unternehmen so kräftig ins Fettnäpfchen tritt, dass eigentlich eine Komplettrenovierung angesagt wäre. Eine bessere Warnung im Sinne von “Wie man’s nicht macht” ist ja kaum noch möglich! Absolut sehens- und lesenswert, danke nochmals.

Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
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