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09.12.2011

Reputation als Arbeitgeber

Fund der Woche 49-2011

Der neue Fund der Woche ist eigentlich ein ganzer Haufen an Funden aus diversen Wochen. Es geht einmal mehr um den Textilhandel. In diesem Falle TK Maxx. Im Grunde genommen ist es eine Arbeitgeberbewertung, die ich auf ReclaBox gefunden habe. Und die lässt kein gutes Haar an den Arbeitsbedingungen.

Die Kritik, die stark am Employer Branding kratzt, nimmt in der Hauptsache auf drei Punkte Bezug:

  1. Die Arbeitszeiten. Dazu heißt es u.a. “Frühschicht beginnt um 06:30 Uhr, bist Du pünktlich, wie von Floormanagern gewünscht, zehn Minuten vorher dort, stehst du in der Regel bis zu zwanzig Minuten vor der verschlossenen Tür. Wird dann die Tür geöffnet, kommt die Bemerkung “du bist zu spät” oder “man hat es nicht gehört”. Und das. obwohl die Manager oftmals mit Kaffee in dem Büro sitzen und nur zu faul sind. sich zu bewegen. … Arbeitszeit bis mindestens 22:00 Uhr, in der Regel jedoch bis 23:00 Uhr und länger. Mund aufmachen geht gar nicht, weil du dann nicht fähig bist, dich unterzuordnen.”
  2. Das Arbeitsklima. “Mobbing durch die eigenen Kollegen ist Tagesordnung. Du kannst niemandem vertrauen!” sagt Autorin “Sisi Oberer” dazu unter anderem.
  3. Den Service. Den gibt es nämlich im Grunde genommen nicht: “Die Kunden, die natürlich nicht wissen, was dahinter steckt, haben logischerweise kein Verständnis. Sie schauen nur auf den Preis, verwüsten alles, denn fürs Aufheben sind wir ja da! Von denen, die richtig hingucken, werden wir auf die Missstände angesprochen und mit Kopfschütteln bestätigt. Doch sprechen mit Kunden ist ja auch nicht erwünscht, bzw. eine Beratung geht gar nicht.”

Das klingt wirklich sehr nach einem Arbeitgeber, den man – hätte man denn die Wahl – meiden würde. Und dies ist nicht die einzige Beschwerde auf ReclaBox. So sagte z.B. “Aljoscha Trinidad” im vergangenen Jahr: “Weder als Kunde noch als Angestellte/r wird man von TK Maxx als “Mensch” betrachtet. Die Arbeitsverhältnissen entsprechen zwar nicht denen eines chinesichen Reisfeldes, aber als “normal” bzw. angemessen kann man sie deshalb noch lange nicht bezeichenen. Einkaufen bei TK Maxx ist anstrengend – arbeiten bei TK Maxx ist viel mehr als das!”

Auf eine andere Beschwerde über den Arbeitgeber TK Maxx heißt es in einem Kommentar: “Ich arbeite derzeit auch bei tk maxx, schreibe nebenbei Bewerbungen. Sobald ich was neues habe, bin ich weg da. Kenne keinen einzigen Angestellten, der zufrieden ist.” Auch Mitarbeiterüberwachung wird thematisiert, genauso wie die Arbeitsverträge und einiges mehr. Daneben gibt es aber auch zufriedene Stimmen, Menschen die dort gerne arbeiten.

Ein Blick auf das Arbeitgeberportal Kununu bestätigt diesen ersten Eindruck: aus 12 Bewertungen erhält TK Maxx als Arbeitgeber den ziemlich miesen Durchschnittswert von 1,84. Am stärksten kritisiert werden die Work-Life-Unbalance, Vorgesetztenverhalten und Kommunikation sowie die Karrierechancen. Doch all das ist in der Bekleidungsbranche ein generelles Thema. Das konnte ich beim täglichen Monitoring schon häufig feststellen: KiK, NKD oder auch Zara, die Liste ließe sich deutlich verlängern. H&M schneidet noch einigermaßen gut ab, aber das Preisdiktat fordert anscheinend Opfer an anderer Stelle. Dort, wo die Kunden es nicht so leicht mitbekommen.

Allerdings stellt sich gerade im Verkauf alltäglicher Konsumartikel die Frage, welchen Stellenwert das Employer Branding überhaupt hat. Für den Verkauf muss man nicht spezialisiert und besonders gut ausgebildet sein. Die möglichen Kandidaten sind zahlreich. Eine große Nachfrage trifft also auf ein eher knappes Angebot. Da liegt der Verdacht nahe, dass ein Arbeitgeber meint, es sich erlauben zu können, nach einem Vorbild verfahren zu können, das andere Kommentarschreiber im englischsprachigen Raum verorten.

Gefährlich für ein Unternehmen wird das jedoch erst, wenn die Kunden irgendwann nicht mehr mitspielen. Nicht mehr ausschließlich auf den Verkaufspreis schauen, sondern auch auf das Drumherum. Insgesamt ist dieses Phänomen allerdings noch recht jung: Aushilfen statt fester Arbeitskräfte, Niedriglohnpolitik, gewürzt mit repressiven Arbeitsbedingungen. KiK als bekanntestes Beispiel sah sich aufgrund des extrem schlechten Rufs bemüßigt Verbesserungen einzuführen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Sektor entwickelt. Mein Rat allerdings ist, sich nicht darauf auszuruhen, dass es momentan “gut läuft”. Der mündige Kunde ist sicherlich kein Auslaufmodell, daher lieber frühzeitig an einem guten Ruf feilen als irgendwann einen Notreaktionen-Aktionismus nötig zu haben.

Kommentar

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Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
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