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18.04.2012

Praxisbeispiele

Wie ein Grill ein Leben veränderte…

Virales Marketing? Kabarettist unter falscher Flagge? Poetry Slam? Oder einfach kreative Auslegung dessen, was eine Rezension ist? Zu diesen Fragen provoziert die Bewertung eines Grills auf Amazon, auf die mich meine liebe Ex-Kollegin Chrissy aufmerksam machte. Oder handelt es sich um eine Antwort, die auf eine ziemlich blumige Produktbeschreibung noch ordentlich eins draufsetzt? In jedem Fall ist es eine sehr lesenswerte Rezension, die seit dem 7. März bereits 965 “Likes” einfahren konnte. So muss man das “hilfreich” wohl interpretieren.

User “Karsten” schrieb eine sehr unterhaltsame Geschichte um den “fleischeslustigen Elektrogrill”, der olfaktorisch zum “perfekten Sommerabend” beiträgt. Dadurch dass er sich großflächig “einfleischen lässt”, ermöglicht er “die simultane Versorgung einer Familie oder mehrerer Freunde”: “Die Nahrungskonkurrenz wird entschärft und dem Kampf ums nächste Steak die existentielle Härte genommen.” So verlockt jedenfalls die Produktbeschreibung von einem Texter, der wohl auch Grillfreund ist. Fühlte sich “Karsten” dadurch herausgefordert, eine Geschichte zu schreiben, die vor Absurdität und Ironie geradezu trieft?

Schon im ersten Absatz gibt er die Marschrichtung seiner Anekdote vor: “Legt man den Grill auf die Seite hat er etwas vom Porsche 911″. Also: Optik top. Sound auch: Ihm fiel sofort auf, “dass die untere Pfanne als Resonanzkörper für ein viel satteres Brutzeln sorgt als herkömmliche Grille.” Kein Fingernägelkratzen an der Tafel mehr, wie bei seinem alten Grill. Was nun folgt, ist das Abgleiten in eine zerstörerische Sucht. “Man hat sich schon mit dem Aufstehen darauf gefreut, später eine Wurst zu brutzeln. … Nach ca. einem Monat ließen wir den Grill bei uns im Schlafzimmer die ganze Nacht über auf niedriger Temperatur brutzeln.”

Das soll es nun aber auch gewesen sein mit den Zitaten. Ich möchte niemandem den Spaß verderben beim Selberlesen. Es lohnt sich, wie bereits angedeutet. Das finden auch die allermeisten der 34 User, die einen Kommentar zu dieser Geschichte abgegeben haben. Einige von ihnen haben das virale Potenzial eines solchen Textes erkannt (oder erlebt). Da heißt es unter anderem: “Denke mal diese Bewertung tauchte dank Matuschke [Bayrischer Rundfunk - MS] hier auf, da er nur Stunden später diese in einem Abendprogramm vorlas.” oder “Nachdem diese Rezension als Star bei facebook gehandelt wird, möchte auch ich dem Autor zu seinen heroischen Testqualitäten und deren Niederschrift herzlich gratulieren.”

Da steigt das Verlangen nach mehr. (Wie beim Grill in “Karstens” Geschichte!) Nach einer Lesung oder einem Grillratgeber rufen sie. Vielleicht kann man als Fazit einfach einen der Kommentare nehmen: “Alles voll Viral Marketing. Dennoch schön. Hat ja geklappt.” Ob es nun intendiertes Virales Marketing war oder ob nur ein kreativer Geist einen Treffer gelandet hat… Egal. Spaß hat’s gemacht, und ein gewisser viraler Effekt ist vorhanden, ob gewollt oder nicht. Vielleicht will “Karsten” aber auch nur auf außergewöhnliche Weise sagen: “Ihr Texter, bleibt mal ein bisschen auf dem Teppich…”

Kommentar

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Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
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