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06.07.2012

Corporate Responsibility, Markenwahrnehmung, Praxisbeispiele, Reputation als Arbeitgeber

Ist TK Maxx nur ein KiK für Besserverdiener?

Lange schon habe ich nichts mehr gehört über meine “Lieblinge” von KiK. Und auch im Thread “Kleidung kaufen: Warum gibt es nichts brauchbares [sic!] mehr?” geht es eigentlich nicht um KiK. Sondern – zumindest in diesem Zusammenhang – um TK Maxx. “Happy Banana” fällt über den Marken-Discounter nämlich ein verheerendes Urteil: “Ich kenne tk maxx. Ist ein schicker Laden. Irgendwie ein bisschen wie ein kik für normal oder besser Verdienende.”

Schade nur, dass die glückliche Banane ihre Meinung nicht näher erklärt. Das hätte interessant werden können, kommt TK Maxx bei Kunden doch häufig recht gut weg für die stark rabattierte Markenware. Immerhin präzisiert sie ihre streitbare Ansicht später: “Für die ärmeren gibts den totalen Billig-Kik. Und TK-Maxx ist der KIK für die reicheren. Allerdings gibts bei tK echt alles, von super billig bis zu mega teuer.” Um danach noch mal ein “so sauber ist TK Maxx nicht.]]” einzustreuen. Dieser Kommentar ist ein Link zu einer Beschwerde bei Recla Box, wo das Unternehmen als miserabler Arbeitgeber gebrandmarkt wird. Dort gibt es übrigens auch eine sehr ausdauernde Diskussion, die sich über fast zwei Jahre erstreckt.

Folgt man dem Threadverlauf im Med1-Forum, findet man nicht nur die eigentliche Diskussion. Nämlich was den Usern an der aktuellen Mode nicht gefällt. Das ist in erster Linie eine furchtbare Auswahl an Farben und Formen, aber auch eine stark nachlassende Qualität. So sagt “Trinity1983: “die mode an sich ist momentan eher schwierig..entweder langweilig oder dermaßen bunt,dass man denkt man ist in der karnevalsaison”. Oder “Wick: “Selnbst teure Sachen sind das Geld nicht Wert, weil die Qualität auch KIkmässig ist..deswegen kaufe ich öfters billige Kleidung, es gibt halt keinen Unterschied mehr. Die Firmen denken wahrscheinlich das die Leute alle eh blöd sind und nur auf den Markennamen achten”.

Nein, die Banane hat anscheinend etwas losgetreten. Denn sehr schnell wird zwischendurch auch immer wieder über ethische Maßstäbe diskutiert – Produktionsbedingungen, Löhne, schädliche Inhaltsstoffe… Und dabei kommt nicht nur KiK schlecht weg, sondern auch – und vor allem – diejenigen, die mit Qualität assoziiert werden. Also die Markenhersteller, bei denen viele noch immer davon ausgehen, die – zum Teil deutlich – höheren Preise errechneten sich sich faireren Herstellungsbedingungen. Das Dilemma bringt “Madame Charenton” auf den Punkt: “ich frag mich was die Leute eigentlich wollen – es gibt Läden und Klamotten im Überfluss, billig sollte die Ware sein aber hochwertig, ich mein…..schreibt doch ein paar Chinesenkinder an sie sollen für ihren Hungerlohn gefälligst besser arbeiten, für jeden Geschmack und ausreichend in allen Größen produzieren. wenn man Qualität will muss man eben auch Geld ausgeben, d.h. Kleidung nähen lassen oder hochwertige Produkte aus dem eigenen Land kaufen”.

Was also tun? Ein Rezept hat “Kadhidya”: “Ich meine ja nur, sich über Kik oder dieses TK Mexx aufregen und dann H&M, Adidas oder C&A shoppen, macht teilweise keinen Unterschied. Ich schaue da inzwischen gar nicht mehr drauf, alle Ketten lassen so billig produzieren und “unter guten Bedingungen” heisst da wohl nur, dass die im Sitzen arbeiten oder sowas. Wirklich verändern kann man nur was, wenn man richtige FairTrade kauft, und da ich dazu kein Geld habe, meide ich Kik und versuche mich ansonsten von schlechtem Gewissen frei zu machen.”

Das waren jetzt schon recht viele Zitate, und es gibt in diesem Thread noch sehr viel mehr, die man anführen könnte. Die Quintessenz aber ist: Jeder bekommt hier sein Fett weg! Die Unzufriedenheit mit Herstellern und Verkäufern geht inzwischen so weit, dass diverse User betonen, dass sie – vor allem für ihre Kinder, aber auch für sich selbst – sehr gerne auf Flohmärkten und in Second-Hand-Shops einkaufen. Denn da verdiene nicht nochmal ein “Ausbeuter” dran, und die Schadstoffe seinen auch schon längst rausgewaschen.

Wir dürfen wohl nicht annehmen, dass das zum neuen Mainstream wird. Die Textilketten werden auch weiterhin ihren Absatz haben. Aber die Verantwortlichen dort sollten sich Gedanken über das, was ihre Kundschaft nicht nur in diesem, sondern in sehr vielen Threads im Netz von sich gibt. Denn dort werden Empfehlungen und Warnungen ausgesprochen, die durchaus nennenswerte Kundenzahlen erreichen.

Kommentar

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Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
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