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16.09.2012

Praxisbeispiele, Strategie, Wie man es nicht macht

Bettina Wulff demonstriert den Streisand-Effekt

Eine erfahrene PR-Expertin mit eigener Agentur und exzellenten Kontakten beschließt, ein im Internet waberndes Gerücht über ihre Vergangenheit zu beseitigen. Sie nutzt dazu das große Besteck: Unterlassungsklagen gegen Medien und Blogger, Buch-Veröffentlichung mit viel Tamtam sowie Interviews und Hintergrundberichte in so ziemlich allen Massenmedien des Landes.

Die ernüchternde Bilanz der Offensive präsentiert Bild am Sonntag heute in Form einer Emnid-Erhebung: Nur ein Drittel der Befragten hält Bettina Wulff für glaubwürdig. Und: Vier von fünf Teilnehmern haben die Gerüchte um Bettina Wulffs Vergangenheit erst durch den von ihr angestrengten Rummel mitbekommen.

In der Folge (und sicher auch aufgrund der durchwachsenen Buchkritiken) hat die ehemalige First Lady ihre TV-Auftritte ebenso abgesagt wie eine geplante Lesereise.

Ich möchte hier nicht den Besserwisser spielen. Die Gegner, mit denen Frau Wulff sich eingelassen hat, sind zu mächtig und der Boulevard ein zu heißes Pflaster, als das man immer hundertprozentig vorhersagen könnte, welches die erfolgreiche PR-Strategie ist. Aber zwei alte Lehren des Reputation-Managements sehe ich hier doch bestätigt:

Riskiere keinen Streisand-Effekt

Der Streisand-Effekt beschreibt genau, was wir hier sehen. Die Anstrengungen, eine Geschichte verschwinden zu lassen (insbesondere durch Klagen), erzeugen eröhte Aufmerksamkeit und somit ein größere Publikum als es ohne Intervention der Fall gewesen wäre. Der Effekt tritt nicht immer ein. Gerade weniger bekannte Unternehmen müssen ihn (bei Berücksichtigung einiger Regeln) eigentlich kaum fürchten. Wer jedoch so sehr im Mittelpunkt des medialen Interesses steht wie Bettina Wulff, muss damit rechnen, dass Journalisten und Blogger jede Aktivität unter die Lupe nehmen.

Bring ein Online-Problem nicht ohne Not offline

Eine Erfahrung, die Nestlé schon 2010 machen durfte, als sie im Kampf gegen eine Attacke von Greenpeace durch eine Pressemitteilung unnötig das Publikum vergrößerten. Die Zahlen belegen: Das Hauptproblem des sich selbst erhaltenden Gerüchts lag online. Die große Öffentlichkeit hatte offenbar noch keine Notiz von der üblen Nachrede genommen (die ja immerhin schon seit sechs Jahren kursiert).

Übrigens: Symbolisch ist die aktuelle Situation bei Wikipedia. Es gibt natürlich einen Artikel über Bettina Wulff mit entsprechendem Passus. Und es gibt einen Artikel über die „Affäre Bettina Wulff“. Für diesen Artikel gibt es einen Löschantrag mit der Begründung, ein Gerücht sei „nicht bedeutend genug, um es in einem eigenen Artikel darzustellen“. Gelöscht wurde der Artikel allerdings noch nicht…

Update Montag, 17.9.2012, 14:30 Uhr

Der Wikipedia-Artikel “Affäre Bettina Wulff” ist inzwischen gelöscht worden. Danke, Henriette, für den Hinweis!

Kommentar

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Kommentare

17.09.2012

fschuetz

Oh, das mit dem Wikipedia-Eintrag und der beantragten Löschung ist ja spannend. Bei Google Trends hat man ja auch gut sehen können, dass Frau Wulff das Thema selbst wieder hochgekocht hat und das es vorher eigentlich tot war. Die Frage ist immer noch, ob sie das alles einkalkuliert hatte, was jetzt gereade passiert, oder ob die Wulffs wirklich so schlecht beraten sind. Herr Wulff meinte ja noch, mit dem Erscheinen des Buches werden sich viele entschuldigen müssen und es wäre alles eine so große Belastung für die Familie. Selbst schuld. Auch, wenn sich vielleicht ein paar Bücher mehr verkaufen. Die Yasni-Tagcloud zu Frau Wulff ist aktuell jedenfalls voll mit Begriffen rund um die Affäre: http://www.yasni.de/bettina+wulff/person+information?sh

17.09.2012

Henriette

Nur ein kleiner Hinweis: Der Wikipedia-Artikel „Affäre Bettina Wulff” wurde heute (17.09.2012) Nacht gelöscht. Es ist allerdings nicht auszuschließen das dagegen in Form einer Löschprüfung vorgegangen wird – was die Diskussionen um ein paar Tage verlängern kann und die „Affäre” nochmal bekannter macht (und mit noch mehr Bedeutung auflädt).

Beste Grüße

Henriette

17.09.2012

Christian und Bettina Wulff: Trennung? – WUNDERWEIB.de | stetige Veränderungen

[...] Das ist kein Unsinn, das ist Tatsache. und dann lest mal noch diesen LINK , sie hat sich selbst geschadet mit den Klagen (Streisandeffekt) 49.195038 7.066617 [...]

06.11.2012

Bettina Wulffs Pyrrhussieg – und was Unternehmen daraus lernen können « Reputation Management Blog

[...] Manchmal ist auch Abwarten eine probate Strategie. Im Falle von Frau Wulff war das Interesse tatsächlich schon längst abgeklungen (Screenshot 1). Jede weitere Meldung zu dem Thema kann das Interesse aber potenziell wieder anfachen – und somit auch in den Suchmaschinen-Indizes aktuell halten (ein digitaler Streisand-Effekt). [...]

07.01.2013

Christian und Bettina Wulff: Trennung? – WUNDERWEIB.de « Bei mir isses meistens lustich

[...] Das ist kein Unsinn, das ist Tatsache. und dann lest mal noch diesen LINK , sie hat sich selbst geschadet mit den Klagen (Streisandeffekt) 49.195038 7.066617 TeilenTumblrFacebookTwitterGoogle +1Gefällt mir:Gefällt mirEinem Blogger [...]

Autor

Hans-Joachim Gras
Hans-Joachim Gras
Hans-Joachim Gras ist studierter Betriebswirt und Wirtschaftsinformatiker sowie Autor der Studienreihe „Wie Filialisten im Internet bewertet werden“. Im Reputation Control Team ist er verantwortlich für KPI-Entwicklung, strategische Handlungsempfehlungen sowie die Auswahl der geeigneten Tools. Gleichzeitig ist er Moderator der XING-Gruppe „Reputation“ und Referent auf Fachkongressen und Symposien. Bevor Gras 2009 die Position als Berater für Reputation Control bei New Communication übernahm, war er langjähriger Geschäftsführer der buchner documentation gmbh, die er 1998 mit gründete.
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