Reputation Blogger

Satellit
REPUTATIONBLOGGER

Seiteninhalt

30.11.2012

Corporate Responsibility, Markenwahrnehmung, Praxisbeispiele, Wie man es macht

Umsätze dank CSR-Strategie?

In Indien töten sich junge Textilarbeiterinnen selbst. Im September brennt in Pakistan eine Textilfabrik ab – rund 300 Tote. Nun brannte in Bangladesh eine Textilfabrik nieder – über 100 Arbeiterinnen sind dort verbrannt. Schon oft standen die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern für unsere Klamottenläden in der Kritik – am bekanntesten ist wohl “Die KiK-Story“. In den vergangegen Monaten aber wirkten die Unglücke als ein Katalysator für die Medienberichterstattung. Zeit also, die Reaktionen auf die Artikel zu untersuchen.

“Wo kann man denn überhaupt noch Kleidung kaufen?” Diese Frage wurde in den Diskussionen auf den Seiten der Online-Magazine und in Foren mehr als einmal gestellt. Und einige User hatten sogar eine echte Antwort darauf. Aber dazu später mehr. Bei KiK, H&M und anderen Handelsketten im unteren Preissegment jedenfalls nicht – so die fast einhellige Meinung (z.B. hier). Aber – und dieser Einwurf wird häufig (z.B. hier) geäußert – auch die Markenartikelhersteller lassen in den betreffenden Ländern, zum Teil sogar in den selben Fabriken produzieren. Da sei es nun wirklich nicht anzunehmen, dass die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung z.B. einer Markenjeans besser sind.

Es finden sich – und das ist ein ganz wesentlicher Aspekt der Diskussionen – viele Fragen und einige Antworten darauf, wer denn die Verantwortung trage. Da gibt es ersteinmal den “ganz großen Schuldigen”: den globalisierten Kapitalismus. “Sebastian215″ sagt bspw: “Der Fabrikbrand von Bangladesch deckt eine Lebenslüge der reichen Welt auf, nein nein das nennt sich Kapitalismus es wird immer dort produziert wo der grösste Gewinn generiert wird.” Denn bei gestiegenen Produktionskosten durch besseren Arbeitsschutz und höhere Löhne würde einfach anderswo produziert.

Nein nein, die Fabrikbesitzer seien Schuld, sagen andere wie felisconcolor: “Was insofern besser zeigt das für die Zustände vor Ort eben auch die Arbeitgeber vor Ort verantwortlich sind. Hier werden die Arbeiterinnen und Arbeiter durch ihre eigenen Landsleute ausgebeutet.” Die lassen sich allerdings – notgedrungen und nicht nur dort (siehe Kommentar von hdudeck) – ausbeuten, damit sie überhaupt etwas zum Überleben verdienen. Doch diese beiden “Schuldigen” werden eher marginal behandelt. Die Hauptdiskussion konzentriert sich auf andere: die Handelsketten/Konzerne und die Verbraucher.

Widmen wir uns zuerst letzteren. Da steht vor allem der “Geiz-ist-geil-Deutsche” am Pranger. “Solange die Leute T-Shirts für 2 €, und Jeans für 5 € verlangen und kaufen wird sich da nix ändern.” (“derlabbecker“) “Aus der Tagespresse und den Nachrichten ist dieses Thema schnellstens wieder verschwunden … die “Discounterweihnachtskonsumenten” wollen doch nicht wissen wie ihre Bademäntel zum Preis von ca.4,99€ von Kindern und Jugendlichen unter ständiger Lebensgefahr zusammengenäht werden … das schert doch den “GEIZ ist GEIL DEUTSCHEN” einen Dreck was dort passiert – Hauptsach billig!” (“berndn“) Nicht alle jedoch, das haben wir ja schon gesehen. Und neben Tipps wie “selber schneidern” gibt es auch praktikablere Hilfestellung.

So sagt z.B. stryke13: “natürlich kommt es darauf an, das eigene Konsumverhalten tiefgreifend zu verändern… um wenigstens in irgendeiner Weise mit dazu beizutragen, dass sich solche bewußt in Kauf genommenen Tragödien nicht stets wiederholen! Dabei existieren durchaus ALTERNATIVE Einkaufsmöglichkeiten gegenüber den Konzernen: Viele Artikel, die man im Fair-Trade-Handel beziehen kann, sind im Vergleich zu allen möglichen überbewerteten Mode-Labels überhaupt nicht teurer! Hier sind drei Beispiele:
www.rootsofcompassion.org
www.bekleidungssyndikat.de
www.korrekte-klamotten.de
Letztere Adresse ist eine wahre Goldgrube mit mehr als zwei Dutzend Gruppen und Organisationen, die konsequent fair und ökologisch gehandelte Textilien – z.T. auch Schuhe u.ä. – anbieten!” Auch der Verweis auf das GOTS-Siegel für eine ökologisch und sozial nachhaltige Produktion wird gegeben.

Nun aber zur letzten Gruppe an “Schuldigen”: den Klamottenhändlern. “Da alle Label-Drauf-Näher, auch die in den USA -nicht nur an den Europäischen Kunden denken, dort produzieren lassen. Ist es Mittlerweile egal wo und bei wem ich die Kleidung kaufe.” (“nichtswirdbesser“) In erster Linie bekommen die Billiganbieter, allen voran KiK ihr Fett weg: “Es ging um Kinderarbeit in Indien. Dort wurden Kinder und deren in den Slums lebenden Familien gezeigt, die für C&A, H&M und Kik Kleidung für Sklavenlöhne und ohne Arbeitsschutzmaßnahmen herstellen.” (“Trypsin“) Wobei C&A bisher nicht unbedingt im Focus stand. Nach dem Brand hat sich das ein wenig geändert. Stellvertretend dafür die Aussage von momo001: “Ich habe mich bisher bei C&A wohlgefühlt…..aber wenn man da jetzt auch nicht mehr kaufen kann……dann weiß ich auch nicht.”

Zusammengefasst: Die Meinungen sind unterschiedlich. Ganz stark in der Kritik stehen die Bekleidungsunternehmen. Denn sie werden dafür verantwortlich gemacht, dass aufgrund des (vom Verbraucher gewollten) Preisdrucks wesentliche Elemente eines menschenwürdigen Arbeitsplatzes außer Acht gelassen werden. Und zwar betreffe das nicht nur die Billigheimer, sondern genauso die Markenhersteller wie Esprit, MEXX, Levi’s oder Hugo Boss. Dort werde einfach nur teuer Werbung gemacht, und eine noch höhere Gewinnmarge erzielt, die Stoffe seien etwas besser, aber die Arbeitsbedingungen die gleichen. Gelegentlich ist auch die Rede von einem Imageschaden für die Unternehmen durch die Brände. Und Kritik daran, dass nur deshalb (und vermutlich nur kurzzeitig) ein wenig verbessert werde.

Darin liegt die große Chance für Unternehmen, sich als Vorreiter zu positionieren. Zu zeigen, dass nicht nur Gewinn um jeden Preis (auch den von Menschenleben) gemacht wird. Sondern, dass man sich mit einer ethischen und nachhaltigen Produktion wertvolle Pluspunkte “kaufen” kann. Denn eines ist sicher: Es war nicht die letzte Schreckensmeldung, die wir da gehört haben. Und je mehr es davon gibt, desto aufmerksamer werden die Verbraucher, oder zumindest ein Teil von ihnen, beim Kauf die Augen aufhalten. Und auf eine konsequente CSR-Strategie achten.

Kommentar

*

Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
Per E-Mail Kontakt aufnehmen