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15.01.2013

Praxisbeispiele, Wie man es macht

Ist Netiquette durchsetzen = Zensur?

Ist es Zensur, wenn man beleidigende Äußerungen sperrt?” Das fragte am gestrigen Montag der Ostholsteiner Anzeiger auf seiner Facebook-Seite. Sie haben es nämlich getan. Und den betreffenden User außerdem gleich gesperrt. Nun ja, wie vorauszusehen war, gab es auch gleich Kommentare, die den Untergang des Abendlandes in Form von abgeschaffter Pressefreiheit drohen sehen, wenn eine Beleidigung gelöscht wird.

Netiquette = Zensur?

Ausgangspunkt war die Frage, wie denn der Auftritt des Eutiners Wincent bei “Deutschland sucht den Superstar” gefallen habe. Ein User hat sich in der Diskussion wohl im Sinne von “Der ist Scheiße” geäußert. Zugegeben, hier handelt es sich um eine sprachliche Grauzone: Substantiv oder Adjektiv? Kraftausdruck = Beleidigung? Entsprechend haben auch einige User gesagt, dass sie das Handeln des Anzeigers für übertrieben halten. Manch einer scheint auch (wenngleich nicht unbedingt hier) der Ansicht zu sein, im Netz sei jedwede Meinungsäußerung erlaubt, wie auch immer sie ausfalle. Das erinnert irgendwie an ein gewisses politisches Spektrum, das ganz, ganz laut auf seinen Freiheiten besteht (selbst wenn diese gegen Gesetze verstoßen), Freiheiten, die diese Leute sofort abschaffen würden. Nun ja…

Da wird darauf hingewiesen, man wolle ja die Meinung der User hören. Natürlich wird bei der Gelegenheit auch auf die Pressefreiheit verwiesen, sei ja das gleiche wie Meinungsfreiheit. Da hilft es (ebenso natürlich) nicht, dass der Anzeiger darauf hinweist, dass es einen Unterschied zwischen Meinungsäußerung und Beleidigung gebe. Allerdings findet das Vorgehen auch deutlichen Zuspruch. In der Diskussion des Posts und auch in der gestrigen Stellungnahme. Dort verlieh man dem Handeln noch einmal Nachdruck und sagt, auch in Zukunft Verstöße gegen die Netiquette auf diese Weise handhaben zu wollen.

Die Stellungnahme erhielt 126 Likes und 21 Kommentare. Alle äußern sich positiv zu der Entscheidung. Zu dem Zuspruch gesellt sich auch der Verdacht, dass manch einer überhaupt nicht so weit denken könne, dass er seinen Post tatsächlich überblickt. Was es braucht, sind gewissermaßen private Social Media Guidelines. Wer nicht dazu instande ist, solche für sich selbst zu “entwickeln”, sprich: sich an zivilisierte Umgangsformen zu halten, der muss eben damit leben, dass diejenigen, welche die Spielregeln aufstellen (Betreiber) sagen: “Du benimmst dich daneben, du spielst jetzt nicht mehr mit.” So einfach.

Sehr gut gefällt mir dort auch der bisher letzte Kommentar (von Anika In), die nochmals auf den Unterschied zwischen Kritik (=konstruktiv) und Beleidigung hinweist. Sie geht noch einen Schritt weiter und spricht es aus: die Anonymität des Internet ermöglicht es manch einem, Cybermobbing zu betreiben, da er seinem Gegenüber ja nunmal nicht gegenüber steht. Das ist hier zwar nicht der Fall, aber Cybermobbing ist ein wichtiges Thema, wie eine Vielzahl von Pressemeldungen zeigt.

Abschließend noch ein Pro/Con-Aspekt bei der Geschichte: transparent kommunizieren, dass man Kommentare gelöscht und User gesperrt hat? Oder still und heimlich, um keine Aufmerksamkeit zu erregen? Ich persönlich stimme einigen Usern zu, die sich beim Ostholsteiner Anzeiger für die Transparenz bedankt haben. Wenn man auf jegliche Kommunikation in der Sache verzichtet, können die Folgen dramatischer sein. So gibt es zwar ein paar, die “Zensur” schreien, aber durch Begründung wird erst Verständnis ermöglicht. Ohne Kommunikation hingegen kann man leicht den Verdacht willkürlichen Handelns gegen unliebsame Personen erwecken. Und dann kann es durchaus einen Shitstorm geben.

Kommentar

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Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
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