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06.09.2013

Corporate Responsibility, Markenwahrnehmung, Praxisbeispiele

Wie man von Apple zu KiK gelangt

Es ist ja kein neuer Vorwurf. Nicht erst seit diesem Juli macht er die Runde. Da machte China Labour Watch drauf aufmerksam (einmal mehr), dass die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern des IT-Konzerns Apple miserabel seien. In diesem Fall betrifft es den Zulieferer Pegatron statt den “alten Bekannten” Foxconn. Und just dieser Tage schneite die nächste Meldung dieser Art hinein.

Den Beginn der öffentlichen Schelte gegen den iPhone-Hersteller markierte die 2010er-Selbstmordserie bei Foxconn, die auf die dortigen Artbeitsbedingungen zurückgeführt wurde. Dieses Jahr töteten sich erneut Arbeiter des Zulieferers selbst. Apple versprach Besserung und verstärkte die Kontrollen, ob der eigene Code of Conduct auch eingehalten werde.

Doch was nützt es, wenn einige Zulieferer stärker kontrolliert werden? Die Zustände dort haben sich anscheinend gebessert, was dem öffentlichen Druck geschuldet ist. Aber es gibt ja auch noch andere Zulieferer. Solche, die wohl weniger kontrolliert werden. Solche, die Auftragsvolumina von bspw. Foxconn abziehen? Und “ungestört ihren Geschäften” auf dem Rücken (und manchmal dem Leben) der Arbeiter nachgehen können? So sieht es wohl leider aus, wie WAZ-Autor Hannes Koch in seinem Kommentar mutmaßt. Und so spricht nicht nur er sondern auch China Labour Watch (CLW) von gebrochenen Versprechen.

Man könnte sagen: Apple tut so, als würde der Konzern sich für die Bedenken der Konsumenten und für Ethik interessieren. Und macht außer Sichtweite weiter wie bisher. Möglichst billig produzieren, um die – ohnehin gewaltige – Gewinnmarge mindestens genauso gewaltig zu halten. Die jüngste Kritik der NGO richtet sich pikanterweise gegen ein amerikanisches Unternehmen (Jabil), das im chinesischen Wuxi produziert. Die Vorwürfe sind zahlreich. (Nachzulesen unter vorangegangenem Link)

Interessant ist aus meiner Sicht die Diskussion dazu auf Spiegel Online. Sie wirkt auf mich ein wenig wie “Fanboys fühlen sich angegriffen und schlagen in andere Richtungen aus” (Stichwort Apple-bashing) plus Anti-Fanboys des angegnabbelten Kernobsts, die ihre Vorbehalte bestätigt sehen. Gewürzt wird das ganze durch einige Kommentare, die sich mit dem gesamten System beschäftigen und u.a. die Arbeitsbedingungen in Deutschland kritisieren und Analogien suchen. Den “Fanboys” sei zugute gehalten, dass es andere in der Tat nicht besser machen, wie CLW berichtet. Auch Samsung, Mattel, Timberland und andere Hersteller werden dort angeprangert. Und außerdem ist der Markenwert von Apple einfach so stark, dass der Name in der Schlagzeile vermutlich mehr Clicks generiert als andere.

Was übrigens auch ein interessantes Phänomen ist. Da lechzt jede Marke nach einem möglichst hohen Markenwert. Der kann aber auch zum Verhängnis werden, wenn die Marke quasi stellvertretend für eine ganze Brache oder noch mehr ihren Weg in die Negativschlagzeilen findet. Aber das nur am Rande. User “ChristophDobera” bringt es auf den Punkt: “Apple bekommt da in erster Linie Prügel, weil kein Produkt mit so viel Vorstellungen der Käufer verbunden ist wie ein Apple Produkt. Nirgendwo ist die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Realität größer als bei Apple. Zumindest im IT Sektor. Apllekunden glauben besondere Qualität, besonderes Irgendwas zu kaufen, und halten die Preise daher für angemessen. Da ist doch klar, dass es gerade Apple trifft, wenn schlechte Bedingungen zu Tage gefördert werden. Wer den größten Ruhm einsacken will, muss auch die Prügel einstecken.”

Bleibt zum Abschluss nur noch zu klären, wie man nun von Apple zu KiK kommt. Die Antwort gibt User “Mustermann”: “Und wenn ich mir die T-Shirts von Kick ansehe, vielleicht von einem minderjährigen Mädchen aus Bangladesh genäht.” Wirkt jetzt arg konstruiert. Befasst sich aber mit demselben Problem: der Gewinnmarge. Wer möglichst billig produzieren will, der muss Abstriche bei Arbeitslohn, Sicherheit etc. machen, sprich: den Arbeitsbedingungen. Dass es auch besser geht als bei Apple, Samsung, HTC & Co., darauf weist User “sponer59″ hin: “Genau das ist der Grund warum ich (bisher Apple user) mir ein Fairphone bestellt habe: http://www.fairphone.com/. Bei denen ist auch nicht alles perfekt, aber es gehört zu deren Firmenpolitik, seltene Erden und Zinn aus zertifizierten Minen (also nicht von Warlords betrieben und ohne Kinderarbiet ) zu beziehen und die Arbeitsbedingungen in China so fair wie möglich zu gestalten.” ‘Nuff said.

Kommentar

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Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
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