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07.03.2014

Markenwahrnehmung

Die Macht der Satire

Wohl jeder kennt die Geschichte von dem Jungen, der immer wieder “Wölfe!” rief: Ein Junge hatte die Aufgabe Schafe zu hüten. Dabei wurde ihm schnell langweilig. Er hielt es für eine gute Idee, die Dorfgemeinschaft herbeizurufen. Die Dörfler hatten aber alle ihre Arbeit, so griff er zu einem Trick. Er rief laut: “Wölfe!” Sofort eilten die auf diese Weise Alarmierten herbei. Wo die Wölfe denn nun seien? Geflüchtet. Dieses Spielchen trieb er ein paar mal. Dann kamen wirklich Wölfe und rissen ein Schaf. Wieder rief er, doch niemand kam. Der Junge hatte seine Glaubwürdigkeit verloren.

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Glaubwürdigkeit ist ein hohes Gut. Das gilt in besonderem Maße für Medien. Eine Zeitung beispielsweise, die immer wieder Falschmeldungen aus Gerüchteküchen, von gelangweilten Spaßmachern, Satirikern oder wem auch immer auf den Leim gehen, der glaubt man irgendwann nicht mehr. Sie hat ihre Glaubwürdigkeit, ihre Reputation verspielt. Denn das, was guten Journalismus ausmacht: Recherche und Quellenkritik, das ist auf der Suche nach DER Meldung auf der Strecke geblieben. Das ist kein Qualitätsmedium und sein Geld nicht wert. Wie für das arme Schaf kann es hier auch um Leben und Tod gehen.

Nicht ganz so drastisch sind die Fälle, die mir in letzter Zeit untergekommen sind. Aber sie zeigen eines deutlich: Fehlmeldungen haben das Zeug dazu, dem Ruf zu schaden. An wirklicher Quellenkritik mangelte es zum Beispiel so einigen Medien, als sie Twitter-Meldungen eines Schülers übernahmen, der sich als Journalist ausgab. Er twitterte Gerüchte über Sportvereine: Trainerentlassungen, Transfers, … Man hielt ihn für eine seriöse Quelle. Dabei war er nur auf der Suche nach Spaß und Aufmerksamkeit. Hat allerdings die Jagd der Medien nach der schnellen Top-Meldung entblößt. Lieber schnell als sorgfältig.

Ein anderer Fall, der immer wieder für Erstaunen und Aufmerksamkeit sorgt, ist die Satire-Zeitung “Der Postillon“. Aufgezogen wie eine ganz normale Online-Zeitung finden sich dort zwischen Meldungen, die an Absurdität kaum zu übertreffen sind, auch solche, die man für bare Münze nehmen könnte. Wenn man denn die Quelle nicht kennt. Das ging ganz offensichtlich einigen “richtigen” Medien so, als sie sich auf “Medienberichte” beriefen und die (rückdatierte) Nachricht mit der Schlagzeile: “Exklusiv: Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla wechselt in den Vorstand der Deutschen Bahn” übernahmen. Wofür sie jede Menge Spott und Häme ernteten.

Ein anderer Coup des Postillons hat für jede Menge aufgescheuchter Hühner gesorgt: Nachdem Whatsapp durch Facebook aufgekauft wurde und reihenweise Nutzer dem Messenger den Rücken kehrten, fand sich gleich einer der Konkurrenten in den Nachrichten. Threema sei von Google übernommen worden. Das Aufsehen war so groß, die Meldung offenbar so glaubwürdig, dass Threema sich genötigt sah, das Gerücht ganz oben in seinen FAQs richtigzustellen. Lustig auch zu sehen, dass bei der Eingabe von “Threema” in die Google-Suchmaske gleich der zweite Vorschlag die Verknüpfung der beiden Marken ist. Das zeigt auch wieder den Einfluss von Google Suggest. Es kann neugierig machen, es kann Unangenehmes sichtbar machen und ins Gedächtnis zurückrufen.

Auch die Kommentare auf der Facebook-Seite des Postillon sind mitunter höchst unterhaltsam, lassen einige doch durchscheinen, dass die Seite nicht als Satire verstanden wird. Gerade das macht die Macht eines solchen Angebots aus. Es wird – pardon – Quatschkram in der Welt verbreitet, und die Leute glauben es. Wodurch wiederum die Reputation einer Marke Schaden nehmen kann. Von daher stellt sich uns gerade die Frage, ob Satire (wenn wir es mal auf diesen einen Begriff beschränken) einen eigenen Platz haben sollte in unserer Infografik “Das Online-Gesicht einer Marke”. Dafür spricht, dass sie Einfluss haben kann auf den Ruf, das Erscheinungsbild, das haben die angeführten Fälle gezeigt. Dagegen spricht, dass Satire (zumindest von den meisten) als das erkannt wird: eine Überspitzung, die so nicht der Realität entspricht. Im Falle unseres Gesichts wäre es wohl so etwas wie “Community- bzw. redaktionelle Verbraucher-Desinformation”.

Kommentar

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Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
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