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04.06.2014

Praxisbeispiele, Studien

Ein Satz heiße Ohren (nicht nur) für die NSA

Ein Jahr ist nun her. Am 5. Juni 2013 rüttelte uns alle eine Nachricht wach. Schockierte uns. Ließ unsere Ahnungen und Befürchtungen zur hässlichen Gewissheit werden. An diesem Tag fanden die Enthüllungen des Edward Snowden ihren Weg in die Öffentlichkeit. Das ist nun, wie gesagt, ein Jahr her. Zeit einmal zu untersuchen, welchen Einfluss die Enthüllungen hatten.

(Bild: campact.de http://blog.campact.de/wp-content/uploads/2014/05/T%C3%BCrschild-Snowden-Campact.png)

In seiner Zeit als Systemadministrator bei der NSA hatte Edward Snowden Zugang zu streng geheimen Informationen. Er wusste bald um die weltweiten Schnüffeleien des US-Geheimdienstes in privaten Mails, Telefonaten und anderen Spuren im Internet. Die Veröffentlichung der PRISM-Dokumente brachte der Washington Post (wie schon in der Watergate-Affaire) und dem Guardian den Pulitzer-Preis ein sowie Snowden selbst (neben jeder Menge Ärger natürlich) die Nominierung für den Friedensnobelpreis. Unser Gesicht einer Marke stellt den Einfluss „Whistleblower“ als Ohr dar, sinngemäß für etwas intern Bekanntes, was man am liebsten intern halten möchte. Und von Seiten des Whistleblowers Snowden gab es kräftig Feuer.

„Hab‘ ich’s doch gewusst!“

Nach der Veröffentlichung war das Erstaunen darüber allerdings nur von mäßiger Größe. Vielmehr war im Blätterrauschen ein wiederholtes „Ich hab’s schon immer geahnt“ zu vernehmen. Das Ausmaß der Spionage gegen Millionen und Abermillionen europäischer Bürger (unter anderem!) hat dann aber doch überrascht. 61% der Deutschen hätten laut ARD-DeutschlandTREND nicht mit einer derartigen Intensität gerechnet, 62% nicht damit, dass die USA ausgerechnet Deutschland stärker als andere europäische Länder bespitzeln. Allerdings waren auch 39% nicht weiter überrascht. Entsprechend sehen seitdem nur noch 35% der Deutschen die USA als vertrauenswürdigen Partner – ein Minus von 24 Prozentpunkten gegenüber „vorher“.

Doch nicht nur das Vertrauen in die USA (und in ihrem Fahrwasser Großbritannien) hat gelitten. Auch die deutsche Regierung hat sich nach der PRISM-Veröffentlichung weiter unglaubwürdig gemacht: In einer Forsa-Umfrage für den „Stern“ halten nur 15% der Befragten die Erklärung der Bundesregierung, nichts von den NSA-Aktivitäten gewusst zu haben, für die Wahrheit. 80% glauben das nicht. Gleichzeitig sind ganze 92% der Ansicht, dass sich auch mit einem No-Spy-Abkommen de facto nichts ändern würde.

Held oder Krimineller?

Weniger eindeutig ist die Haltung der Deutschen dagegen bei der Frage, ob Snowden hierzulande Asyl gewährt werden solle: 46% sind laut Deutschland-TREND dafür, 48% dagegen. Interessanterweise sind mit 47% ein paar Menschen mehr für Asyl, wenn gleichzeitig die Beziehungen zu den USA darunter litten. Sein Handeln findet in der deutschen Bevölkerung aber großen Rückhalt. Für 60% ist er laut DeutschlandTREND ein „Held“, während ihn nur 14% als Straftäter sehen. Die Zustimmung fällt übrigens umso geringer aus, je konservativer der Befragte.

Nun aber endlich vom eher abstrakten zum konkreten Verhalten der Internetnutzer. Hatten die Enthüllungen einen richtigen Impakt oder ist alles weiterhin business as usual? Zuerst einmal lässt sich bei den Deutschen auch in puncto Datensicherheit ein gravierender Vertrauensverlust feststellen. Laut BITKOM hielten 2011 noch 42% der Nutzer ihre Daten für sicher. Im Sommer 2013 waren es nur noch 29% und im November 2013 sogar nur noch 16%, während 79% Datensicherheit nicht mehr gegeben sahen.

Änderung im Kommunikationsverhalten?

Eine Emnid-Umfrage für den „Focus“ brachte zutage, dass 40% der Deutschen fürchten, dass ihre Emails und Telefonate von der NSA mitgehört bzw. –gelesen werden. Im DeutschlandTREND wurde dann gefragt, ob sie aufgrund der Spionage im Umgang mit Telefonaten und Emails vorsichtiger geworden sind. 90% antworteten, ihr Verhalten habe sich nicht geändert. Meiner Meinung nach spricht aus diesen Zahlen ein hohes Maß sowohl an Resignation („die finden eh Mittel und Wege“) als auch an Desinteresse („ich habe nichts zu verbergen“).

Das ZDF Politbarometer fragte, ob man seine Daten nun besser schützen werde. Nach den eben zitierten Ergebnissen überrascht es nicht, dass eine große Mehrheit von 57% genau das nicht zu tun gedenkt. Nur ein Viertel will nun verstärkt acht geben, während nur 13% ihre Daten bereits für geschützt halten. Eine weitere Umfrage für das Magazin „Chrismon“ liefert ähnliche Zahlen: 44% haben ihr Nutzungsverhalten nicht verändert. 18% geben dort allerdings an, dass sie inzwischen vorsichtiger bei ihrem Mitteilungsbedürfnis in den Social Media seien. Nur 5% dagegen sagen, dass sie ihre Daten seit den Enthüllungen verschlüsseln.

Kein Vertrauen in amerikanische Dienstleister

Einen weiteren, sehr interessanten Wert stellt der GPRA-Vertrauensindex bereit: Rund die Hälfte haben nur wenig bis kein Vertrauen in die Datensicherheit von Emails. Dazu passt, dass auch das Vertrauen in Email-Provider keine Bestwerte zeigt. Spitzenreiter ist die Telekom mit immerhin 68%. Das wirklich interessante ist aber das Abschneiden verschiedener Dienstleister: Die Unternehmen aus den USA (Google, Yahoo, AOL und Schlusslicht Hotmail) schneiden deutlich schlechter ab. Ihnen wird nur sehr wenig Vertrauen entgegengebracht (25% – 32%).

Darin zeigt sich eine Implikation, die seitens der US-Geheimdienste vermutlich nicht erwünscht war. Nämlich dass die Unternehmen im eigenen Land Vertrauens- und damit auch Reputationsverluste eingefahren haben. Spinnt man den Gedanken weiter, kommt man zu folgendem Schluss: Wenn eine Maßnahme keine besonderen Kenntnisse erfordert und bequem durchzuführen ist (wie z.B. sich einen Email-Account anzulegen), dann ist Datensicherheit ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Und sei es nur aufgrund eines Standortvorteils (Deutschland) und der (vermeintlichen?) Gewissheit, dass dort höhere Sicherheitsstandards gelten. Dann könnten sich Geheimdienste mit einer übermäßigen Wissbegier auch mal als Gefahr für die Prosperität der eigenen Wirtschaft entpuppen.

Kommentar

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Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
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