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20.07.2014

Recht, Technologie & Tools

Hidden from Google: Web-Verzeichnis archiviert von Google gelöschte Links

Vor einem Monat haben wir hier im Blog über das EuGH-Urteil und das „Recht auf Vergessen“ berichtet. Demnach müssen Google und andere Suchmaschinenbetreiber unter bestimmten Umständen personenbezogene Daten aus Ihrer Ergebnisliste löschen, wenn die dort enthaltenen Informationen das Recht auf Privatsphäre und Datenschutz verletzten. Google stellte daraufhin ein Formular ins Netz, mit dem Nutzer die Entfernung der entsprechenden Links veranlassen können.
Soweit so gut. Ein US-amerikanischer Entwickler hat nun eine Website aufgesetzt, welche die Links sammelt, die aus den Google-Suchergebnissen entfernt wurden. “Hidden from Google” heißt die Seite, die mittlerweile 19 Links zählt. Darunter übrigens auch der Link zur „Seite des Anstoßes“ hemeroteca.lavanguardia.com. Die spanische Zeitung veröffentlichte vor 16 Jahren auf ihrer Internetpräsenz einen Hinweis über die Zwangsversteigerung des Hauses, des spanischen Anwalt Mario Costeja. Auch nach 16 Jahren tauchte die Seite in Zusammenhang mit dem Namen Costejas in den Goolge Suchergebnissen auf. Um die Reputationsschädigung seiner Person durch diesen Beitrag zu stoppen, ging der Anwalt durch alle Instanzen und erstritt letztendendes das „Recht auf Vergessen“.

Laut Afaq Tariq, dem Betreiber der Seite, soll Hidden from Google die „Zensur im Internet“ dokumentieren. Ob das umstrittene EU-Gesetz die Freiheit der Internet-Nutzer bestärkt oder einschränkt, müsse jeder für sich entscheiden. „The purpose of this site is to list all links which are being censored by search engines due to the recent ruling of “Right to be forgotten” in the EU. This list is a way of archiving actions of censorship on the Internet. This site does not take a side for or against the EU ruling. Instead, it is up to the reader to decide whether our liberties are being upheld or violated by the recent rulings by the EU”, schreibt Tariq auf seiner Seite.

Unter den 19 Links, die mittlerweile auf der Seite gelistet sind, befinden sich auch zwei, die auf deutsche Webseiten verweisen. Ein Link verweist dabei auf einen SPIEGEL-Artikel aus dem Jahre 1995, der über die Immobilienspekulationen von Scientology in Deutschland berichtet. Am Beispiel des SPIEGEL-Artikels wird deutlich, dass Google nur bestimmte Suchbegriffe, wie den Namen der betreffenden Person, in Zusammenhang mit dem Artikel aus der Ergebnisliste entfernt. Die Artikel sind nicht grundsätzlich in der europäischen Google-Ausgabe unauffindbar. Mit einer Suche nach Scientology ohne den betreffenden Namen der Person, die von Recht auf vergessen Gebrauch gemacht hat, ist der SPIEGEL-Artikel in den Google- Suchergebnissen weiter gelistet.

Wahrscheinlich war es nur eine Frage der Zeit, bis eine derartige Seite das Recht auf vergessen ad absurdum führt. Nutzer, die erfahren möchten, wer von dem Recht auf vergessen Gebrauch gemacht hat, werden auf Hidden from Google fündig. Wobei hier fairerweise hinzugefügt werden muss, dass nicht jeder erfolgreiche Löschantrag dokumentiert werden kann. Denn die Daten stammen nicht von Google direkt, sondern werden von Afaq Tariq und mit Hilfe der Nutzer zusammengetragen. In jedem Fall bringt diese Entwicklung neuen Schwung in die Diskussion, über das für und wider des EuGH-Urteils.

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Autor

Stina Klingbiel
Stina Klingbiel
Stina Klingbiel berät bei New Communication die Kunden zu strategischen Fragen der Public Relations. Selbstverständlich hat sie dabei alle relevanten Medienkanäle im Blick. Als studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin hat sie in ihrer Abschlussarbeit die zunehmende Relevanz des Social Media Monitoring als Instrument der Marktforschung analysiert. Auf dem Reputation Blog schreibt die gebürtige Lübeckerin zu ihrem Spezialgebiet: Krisenkommunikation im Netz. Ihren Interviewpartnern, rund um das Thema Reputation Monitoring fühlt sie sympathisch hanseatisch auf den Zahn.
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