Reputation Blogger

Satellit
REPUTATIONBLOGGER

Seiteninhalt

13.05.2015

Markenwahrnehmung, Praxisbeispiele

Von Zauberzucker und Bubbles

Lange schon habe ich keinen Fund der Woche mehr vorgestellt. Seit Montag aber verfolgt mich ein Tweet, der immer und immer wieder weiterverbreitet wird. Es geht, na klar, um ein kontroverses Thema: die Übernahme homöopathischer Mittel durch die Krankenkasse.

Screenshot Twitter @JP_Stich

Screenshot Twitter @JP_Stich

Es ist wie immer im Leben mit Glaubensfragen. Die einen stehen auf der einen, die anderen auf der anderen Seite, und sie stehen sich unversöhnlich gegenüber. (Es gibt auch noch die Dritten, an denen das ganze vorbeigeht, aber die melden sich auch nicht zu Wort.) Moment mal … Glaubensfrage? Ja, als solche muss man die Homöopathie wohl bezeichnen, da die Wirksamkeit bislang nicht wissenschaftlich zweifelsfrei bewiesen werden konnte. Auch wenn viele damit positive Erfahrungen gemacht haben und von ihr überzeugt sind. Aber um Homöopathie und das Für und Wider soll es hier nicht gehen. Ich möchte den Mechanismus und die Risiken aufzeigen.

Am Montagvormittag jedenfalls entließ der Blogger Jan Stich einen Tweet ins Netz, der heute, zwei Tage später 163 Retweets zählt. Das ist für einen eher kleinen Blogger eine ganze Menge, gerade im Vergleich zu den Großen: Medien wie bspw. Spiegel Online, Blogger wie Sascha Lobo usw. Es ist auch für Stich ein Ausnahmefall. Der ursprüngliche Tweet, auf den er sich bezog, hat es auf 43 RTs gebracht. Hier offenbart sich der Mechanismus, der gelegentlich durchaus bedrohlich werden kann: der Schneeballeffekt. Angenommen, 10 % von Stichs knapp 1.000 Followern retweeten den Post (97 also; hier waren es deutlich mehr) und das Spielchen geht über einige Stationen so weiter, dann ist eine enorme Sichtbarkeit erreicht.

Doch bei der Sichtbarkeit hört es nicht auf. Schließlich wird ja auch noch kommentiert, es gibt Diskussionen … Kurzum: Meinung wird kundgetan. Und kann im Extremfall große, also wirklich große Kreise ziehen. Das war hier nicht der Fall. Es gab durchaus Kommentare, aber insgesamt blieb es ruhig. Das lag auch daran, dass man “unter sich war”. Alle waren der gleichen Meinung („Das ist doof!“), nichts wurde hochgekocht. Man befand sich gewissermaßen in seiner eigenen „Bubble“. Solche Blasen sind ein Phänomen (nicht nur, aber doch sehr stark) des Internet. Vor allem dank Sozialer Netzwerke, die immer mehr zum persönlichen Newsfeed werden, nimmt man nur noch ausgewählte Quellen und deren Meinungen wahr. Nämlich die, die einem selbst genehm sind, mit denen man selbst übereinstimmt.

Kritisch hätte es werden können, wenn der ein oder andere wirklich einflussreiche Protagonist („Influencer“) aufgesprungen wäre. Dann hätte aus dem viralen Tweet ein Lauffeuer werden können und aus dem Lauffeuer ein Shitstorm. Einige der Kommentare hätten zumindest gut in einen solchen gepasst. Wechselaufforderungen finden sich ebenso wie Sarkasmus. Wie sich so etwas bei entsprechend großem Publikum verselbstständigen kann, haben wir in der Vergangenheit schon häufig gesehen. Dass es nicht so kam, dazu trug aber sicher auch die geringe „Halbwertzeit“ eines Tweets sehr kurz ist: 24 Minuten sind es nur, berichtet Ethority. In diesem Fall lässt sich konstatieren: Glück gehabt, AOK, dass der Tweet unter dem Radar der Masse durchflog. Sonst hätten die Mitarbeiter in PR und Social Media eine Menge außer der Reihe zu tun gehabt.

Kommentar

*

Autor

Mirko Strauchmann
Mirko Strauchmann
...gräbt und wühlt am liebsten in den Tiefen des Internet. Klar, schließlich hat er Geschichte und Archäologie studiert. Und die Germanistik lässt er als Reputation Blogger sprechen. Darum analysiert der Musikliebhaber, der bei jedem Wetter mit Rad zur Arbeit fährt, bei New Communication als Reputation und Research Agent, was die Leute so im Netz über Marken schreiben oder was die Marktforschung hergibt.
Per E-Mail Kontakt aufnehmen